SPD Gemeindeverband Traben-Trarbach

Traben-Trarbach

Neuer Vorstand

 

Erfolgreicher Freitagabend: Neues Mitglied - neuer Vorstand! 
"Da komme ich als Kreisvorsitzende doch gerne zur SPD nach Traben-Trarbach", so die Kreisvorsitzende und Staatssekretärin Bettina Brück auf der Mitgliederversammlung des Traben-Trarbacher Ortsvereins. 

Herzlichen Glückwunsch an alle Gewählten!
Vorsitzender: Hajo Weinmann.

Stellvertretende Vorsitzende: Claudia Briese-Hammes

Kassierer und Schriftführer: Gerd Huesgen

Beisitzer: Carsten Augustin, Beatrix Kimnach(Wolf), Edgar Langen(Wolf), Sven Weinmann, Cora Ehses und Julia Gülhan

Kassenprüfer: Harald Weber und Horst Steffens

Julia Gülhan wurde als neues Mitglied begrüßt und steigt gleich in die politische Arbeit als Beisitzerin ein. Bravo!

 

 

Traben-Trarbach

 

Traben-Trarbach ist eine Stadt mit rd. 5.600 Einwohnern an der Mittelmosel 

und erstreckt sich zu beiden Seiten des Flusses. Ortsteile sind Kautenbach, 

in einem Seitental der Mosel gelegen, und Wolf, 2 km flussaufwärts. 

Die Stadt wurde urkundlich erstmals 830 erwähnt. Bedeutung und Berühmtheit 

erlangte sie Ende des 19. Jahrhunderts durch den eigenen Wein und vor allem 

durch den Weinhandel. Von dem erlangten Reichtum der Weinbarone zeugen 

auch heute noch die vor allem entlang der Mosel stehenden Villen. 

Heute lebt Traben-Trarbach vom Tourismus, wobei der einzigartige Mosel- 

Wein-Nachts-Markt im Dezember in den riesigen Weinkellern ein Highlight ist. 

Stadtteil Wolf

Stadtteil Kautenbach

 

Der aktuelle Vorstand: 

1.       Vorsitzender: Hajo Weinmann Tel.: 01715492170 E-Mail: [email protected] 

2.      Vorsitzender: Carsten Augustin 

Schriftführer und Kassierer Gerd Huesgen 

Beisitzer: Edgar Langen/Wolf 

                  Beatrix Kimnach/Wolf 

                 Janek Eiden/Wolf 

                 Cora Ehses 

                 Sven Weinmann 

 

 

Schlaglichter aus der Geschichte der SPD Traben-Trarbach 1918-1955 

 

Kaum hatte ein Waffenstillstandsabkommen am 11.11.1918 den Ersten Weltkrieg beendet, fanden sich am 01.12. eine Genossin und mehrere Genossen zusammen, um einen Ortsverein der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) in Traben-Trarbach zu gründen. Aus vereinzelten Mitgliedern entstand nun eine handlungsfähige Parteiorganisation, die den Aufbau eines demokratischen und republikanischen Deutschlands vor Ort aktiv unterstützen wollte. 

 

Sie alle hatten das obrigkeitsstaatliche Kaiserreich als sog. „Vaterlandsfeinde“ erlebt. Der 1. Vorsitzende des neuen Ortsverbands, der Schlosser und Gewerkschaftsaktivist Wilhelm Hack, erinnerte sich zu seinem 75. Geburtstag an ein geradezu typisches Ereignis aus dem Jahre 1912: Als aktiver Sänger des Männergesangvereins Traben musste er pro forma aus seinem Verein austreten, da sich der damalige Bürgermeister Weber weigerte, die Schirmherrschaft des Sängerfestes eines Vereins zu übernehmen, „dem Sozialdemokraten als Mitglieder angehören“! Aus dieser Welt also brachen die Gründungsmitglieder 1918 auf, um erstmals „Demokratie“ auf lokaler Ebene zu erproben – in einer Gesellschaft, die nicht nur durch den Krieg immer noch militaristisch und durchaus antidemokratisch geprägt war, und deren (auch lokale) Eliten immer noch der schwarz-weiß-roten Fahne des Kaiserreichs huldigten. 

 

 

Bereits die erste demokratische Kommunalwahl am 16.11.1919 ließ erkennen, dass ein großer Teil der Bevölkerung für die Weimarer Republik einstand: Eine Arbeiter- und Kleinwinzerliste, die sog. „Liste B“, von deren 15 Kandidaten 9 der SPD angehörten, errang auf Anhieb 10 der 24 Sitze im Stadtparlament! Neben dem Listenführer Dr. Hans Becker vertraten somit noch sieben weitere Sozialdemokraten, die mit dem Winzer Theodor Faust auch einen Beigeordneten stellten, die sozialen und demokratischen Interessen in der lokalen Öffentlichkeit. 

 

Gleichwohl blieb das erste Jahrzehnt der Traben-Trarbacher Sozialdemokratie geprägt von durchaus heftigen politischen Auseinandersetzungen, die sich, während der 20er Jahre und insbesondere nach Aufhebung der französischen Rheinlandbesetzung zum 30.06.1930 bis zu Hitlers Machtantritt 1933 zuspitzen sollten. Die Farben der neuen Nationalfahne, schwarz-rot-gold, schon im Jahre 1848 die Farben des demokratischen Aufbruchs, gaben auch jener Organisation ihren Namen, die sich 1924 aus Anhängern der demokratischen Parteien (SPD, Zentrum und DDP) zur wehrhaften Verteidigung der „Weimarer Republik“ gründete: dass „Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold“. Die Ereignisse nach der Novemberrevolution 1918 und mehrere Putschversuche von „Rechts“ (Kapp 1921, Hitler 1923) gegen die nach ihrem Gründungsort benannte „Weimarer Republik“ ließen dies notwendig erscheinen. 

 

 

Ab wann genau das Reichsbanner über eine Ortsgruppe in Traben-Trarbach verfügte, ist (noch) nicht bekannt. Wohl aber wissen wir, dass der 1887 geborene Winzer Karl Friedrich Horch aus Trarbach nicht nur aktives Mitglied und zeitweise Vorsitzender der örtlichen SPD gewesen ist, sondern auch den Vorsitz der Reichsbannergruppe übernahm. Als Mitglied der Stadtverordnetenversammlung seit 1926 prägte er gemeinsam mit Wilhelm Hack, Karl Caspari sen. und Dr. Hans Becker die sozialdemokratische Politik in der konservativen Mittelmosel-Provinz. Und als seit 1914 aktiver Sänger im MGV Trarbach von 1843 versuchte er sogar, einen Arbeitergesangverein aufzubauen! Zur sozialdemokratischen Infrastruktur der 1920er Jahre gehörten natürlich neben dem vielfältigen Netzwerk der Kulturvereine („Von der Wiege bis zur Bahre“) auch politische Jugendorganisationen. Die Traben-Trarbacher Sozialdemokratie schien 1929 bereits so gefestigt, dass am 01. Juli eine Ortsgruppe der Sozialistische Arbeiterjugend (SAJ) gegründet werden konnte, die auch sofort auf eine breitere Resonanz stieß. Zum Zeitpunkt ihres Verbotes 1933 war Karl Caspari jun. deren Vorsitzender. 

Hochs Reichsbannergruppe wurde seit 1929 zum Kristallisationspunkt der politischen Auseinandersetzung in Traben-Trarbach. Zwischen Koblenz und Trier war sie wohl die erste und einzige, gleichsam ein Ankerpunkt der republikanischen Verteidigungsbereitschaft in der Diaspora der Demokratie. Die erste Werbekampagne für die republikanische Bewegung im Oktober 1929 verlief in Traben-Trarbach „störungsfrei“ – wohl, weil der Hauptredner am Samstagabend in der Trabener Festhalle ein angesehener Bürger der Stadt gewesen ist: der Gymnasiallehrer und mittlerweile zum Oberschulrat ernannte Dr. Becker, Stadtverordneter seit 1919 und Kreistagsabgeordneter seit 1920. Ganz anders in Enkirch am Sonntagmittag; auch hier war der Referent Dr. Becker, aber das Publikum wurde von Enkircher und Traben-Trarbacher Nationalsozialisten majorisiert. Insbesondere ein ehemaliger Schüler Beckers aus Traben brachte die Veranstaltung an den Rand des Abbruchs – der anwesende Enkircher Bürgermeister sah jedoch keinen Anlass, den Hauptstörer polizeilich entfernen zu lassen. 

 

 

Das Enkircher Pflaster blieb für die Traben-Trarbacher Sozialdemokraten heikel. Über das politische Klima jenes Ortes, an dem die Nationalsozialisten bereits früh Fuß fassen konnten, berichtet die Traben-Trarbacher Zeitung (TTZ) anlässlich der „Befreiungsfeier“, gemeint ist die Beendigung der französischen Rheinlandbesetzung zum 30.06.1930: „Die Beflaggung Enkirchs war wie immer in den schwarz-weiß-roten Farben gehalten, nur an den Amtsgebäuden sah man die heutigen Farben wehen.“ Kein Wunder also, wenn Traben-Trarbacher Sozialdemokraten im September desselben Jahres beim Flugblattverteilen von Enkircher NSDAPlern verprügelt werden! 

 

Aber auch in Traben-Trarbach beginnen nun Nationalsozialisten einen aggressiven antidemokratischen Kampf, erkennbar pünktlich um Mitternacht auf der „Befreiungsfeier“ am Trarbacher Moselufer. Auch darüber berichtet die TTZ: „Umso störender wirkte während der Ansprache beim feierlichsten Moment das plötzliche Aufflammen des Hakenkreuzes an unserer Burgruine, dem Wahrzeichen der Stadt, und die damit verbundenen Heilrufe.“ Dieser Coup der nationalistischen Kräfte sollte seine Nachwirkungen noch im Jahr darauf haben. 

 


 

Ebenfalls beunruhigend ist im Jahre 1930 die Lage im Weinbau: „Im Weinhandel herrscht Stille überall“ und immer mehr Winzer beschreiten den Weg der Selbstvermarktung. Unter ihnen ist auch eine kleine Gruppe von Winzern, die in Kontakt mit zwei einflussreichen rheinischen Sozialdemokraten und einem Vorstandsmitglied der Kölner Konsumgenossenschaft standen. In diesem Kreis wird intensiv über die Möglichkeiten einer Winzergenossenschaft beraten – und welche neuen Absatzwege sich aus dem Kontakt zur mächtigen Gewerkschafts- und Konsumgenossenschaftsbewegung ergeben könnten. Die Beratung durch Dr. Viktor Agartz (dem später bekanntesten Wirtschaftswissenschaftler der deutschen Gewerkschaften und der SPD) und Emil Pikard (beide Köln) und Johann Dötsch (Koblenz-Metternich) führte am 14.03.1931 zur Gründung der „Winzergenossenschaft ‚Selbsthilfe‘ Trarbach“, der sofort 16 Mitglieder beitraten und die zum Jahresende bereits 31 Mitglieder zählte. Zur Attraktivität der Genossenschaft hatte sicher beigetragen, dass bereits im Frühjahr 1931 mit dem Leipziger Volkshaus eine der wichtigsten Adressen in der deutschen Gewerkschafts-, Genossenschafts- und sozialdemokratischen Geschichte mit vielen Fudern Fasswein beliefert werden konnte! 

 


 


 

Die Kontakte nach Koblenz und ins Rheinland führten auch dazu, dass das Reichsbanner 1931 sein jährliches Kreistreffen diesmal an Pfingsten am Trarbacher Moselufer veranstaltete. Dieses als „Republikanischer Tag“ bezeichnete demonstrative Bekenntnis zur „wehrhaften Demokratie“ war verbunden mit einer Fahnenweihe; es ist zu vermuten, dass die von der SPD Traben-Trarbach heute noch verwahrte Reichsbannerfahne bei diesem Treffen übergeben wurde. 
 

Eine demonstrative politische Versammlung mit fast 2000 Teilnehmenden am Trarbacher Moselufer in einem Festzelt ist natürlich eine Herausforderung – und das auch noch an einem Pfingstwochenende mit regem Fremdenverkehr. Außerdem in einer Stadt, in der seit Herbst 1930 eine rührige Stahlhelm-Gruppe unter lokal prominenter Leitung für reichlich antirepublikanische Propaganda und schneidige Aufmärsche sorgte. 

 

Es kam, wie es kommen musste; lesen wir die TTZ schon über die erste Nacht während des Treffens: „Teilnehmer an der Tagung des Reichsbanners, …, gerieten in nächtlicher Stunde mit hiesigen jungen Leuten in Streit, der natürlich ohne Lärm und Schlägerei nicht abging. Am Hotel Brauneberg wurden mehrere Fensterscheiben zertrümmert; seitens der Reichsbannerleute aus dem Festzelt mitgebrachte Weinflaschen dienten als Wurfgeschosse. Die Gäste flohen entsetzt aus dem Lokal, einige wurden bei dem ‚Angriff‘ verletzt.“ Erst das Eintreffen einer Abteilung der „Schupo“ konnte wieder für Ruhe sorgen. 

 

Was die TTZ als „Streit“ zwischen „jungen Leuten“ schilderte, wuchs sich in der nationalen bis nationalsozialistischen Presse und bei entsprechend gepolten Lokalpolitikern zu „Orgien in Traben-Trarbach“ aus, die sich „Ärger als die Pest“ auch bei der An- und Abreise der „Reichsbannerhorden“ zu den „entsetzlichsten Bestialitäten der entmenschlichten Reichsjammergestalten“ gesteigert hätten. Gemeint sind in dieser entlarvenden Sprache die Vorkommnisse im schon erwähnten Nachbarort Enkirch, wo es sowohl bei der Hin- als auch der Rückfahrt zu heftigen und gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Reichsbannerleuten und Enkircher Bürgern gekommen war. 

 

 

Nicht nur die preußische Justiz bis hoch ins Ministerium beschäftigte sich mit diesen Vorfällen, sondern auch der Traben-Trarbacher Stadtrat – letzterer allerdings nur mit den hiesigen Vorfällen. Interessant an der Debatte, an der sich für das Reichsbanner die Stadtverordneten Caspari, Hack und Horch von der SPD einsetzen, sind vor allem die Motive der Antragsteller Kaiser, Gattwinkel, Otto Caspari und Schneider-Würz, die eine politische Verurteilung des Reichsbanners, die Haftung für die Kosten des Polizeieinsatzes in Höhe von 1000 Mark sowie eine „Säuberung“ der Stadtverwaltung und der städtischen Betriebe von „den Elementen, die sich an diesen Vorgängen beteiligt haben“, fordern! Ihr Wortführer, der Stadtverordnete Kaiser gibt sich offen als Anhänger des Hakenkreuzes zu erkennen: „Eine Rechnung, die man aufgemacht bekomme, gleiche man öfters durch eine Gegenrechnung aus. Die Rechnung, die ihm in der Stadtratssitzung vom 8. Juni 1930 nach der Befreiungsfeier aufgemacht worden sei, wolle er heute durch eine Gegenrechnung wett machen. Damals habe es sich nur um das harmlose Hakenkreuz auf der Burgruine gehandelt …“! Waren die Pfingstauseinandersetzungen 1931 in Traben-Trarbach und Enkirch etwa von Stahlhelm- und Hitleranhängern erwünscht und vielleicht sogar provoziert worden? 

 

Beantworten können wir diese Frage (noch) nicht. Wohl aber sehen wir, dass der Wunsch nach „Säuberung“ 1933 endlich erfüllt wird. Das Verbot sozialdemokratischer und anderer Parteien, Organisationen und Gewerkschaften führte auch zu „Säuberungen“ in demokratisch gewählten Ämtern und im öffentlichen Dienst: So wurde das SPD-Mitglied und SAJ-Vorsitzende Karl Caspari jun. 1933 wegen „politischer Unzuverlässigkeit“ aus der Stadtverwaltung Traben-Trarbachs entlassen. 

 

Ähnlich erging es in Bendorf am Rhein dem ehemaligen Leiter der dortigen Höheren Bürgerschule Dr. Hans Bauer. Er wurde 1933 aus dem Schuldienst entlassen, weil er „Schrift- und Kassenführer des Reichsbanners in Bendorf“ gewesen war und „als solcher der SPD nahegestanden“ habe. Durch den Kontakt zu einem Bendorfer gewerkschaftlichen Emigranten im noch nicht „zum Reich“ gehörigen Saargebiet gerät er in das Visier der Nazi-Justiz und wird am 18.12.1935 vom Oberlandesgericht Hamm wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ verurteilt. Drei Jahre und vier Tage sitzt er nun in Gefängnissen und Zuchthäusern ein, ehe er nach seiner Entlassung zwei Tage später wieder in „Schutzhaft“ genommen und ins KZ Buchenwald überstellt wird. Am 11. April 1945 befreien sich die Häftlinge in Buchenwald selbst, am 13. April treffen amerikanische Soldaten ein und am selben Tage wird das „Manifest der demokratischen Sozialisten des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald“ veröffentlicht, dass auch von „Dr. Bauer, Bendorf/Rhein“ unterzeichnet ist. 

 

Die Wege von Dr. Hans Bauer und der Stadt Traben-Trarbach kreuzen sich knapp fünf Monate darauf: Zum 1. September 1945 wird er zum Direktor des Gymnasiums Traben-Trarbach ernannt. Aber schon am 3. November 1947, als er wie gewöhnlich mit dem Fahrrad zur Arbeit fuhr, erlitt er einen Schwächeanfall und starb „auf der Straße“. Seine drei Jahre in Gefängnissen und sieben Jahre in Buchenwald beschreibt das Lehrerkollegium des Gymnasiums in seinem Nachruf im Stil des Beschweigens, was damals durchaus üblich war: „Herr Oberstudiendirektor Dr. Hans Bauer (…) war ein Mensch im besten Sinne, dessen Gemüt selbst die langen Jahre, die er gemäß seiner charaktervollen Haltung fern von Familie und Beruf verbringen musste, nicht verbittern konnte. (…) – ein wahrhaftes Beispiel echter humanitas“. Deswegen fällt man dann tot vom Fahrrad! 

 

Auch in Traben-Trarbach hatte die nationalsozialistische Verfolgungsmaschinerie weitergewirkt. Nach dem Attentatsversuch auf Hitler am 20. Juli 1944 kam es hier ebenfalls zu Hausdurchsuchungen und Verhaftungen. Im Rahmen dieser „Aktion Gitter“ wurden die bekannten Sozialdemokraten Wilhelm Hack, Karl Horch, Karl Caspari und August Schneider für mehrere Wochen im Gefängnis in der Brückenstraße festgesetzt. 

 

Unmittelbar nach dem Untergang des „tausendjährigen“ Reichs stellten sich Wilhelm Hack, Karl Friedrich Horch, Karl Caspari und Dr. Hans Becker wie viele andere Genossinnen und Genossen in den Dienst des Neuaufbaus einer Demokratie. Mancher ausschließlich vor Ort, andere auch auf Kreisebene und / oder auf Landesebene. Die Wiedergründung eines Ortsvereins der SPD erfolgt am 1. Juni 1946; zum 1. Vorsitzenden wird Wilhelm Hack gewählt. Bei den Kommunalwahlen im Herbst erreichen sie 6 von 16 Sitzen. Anlässlich des 70. Geburtstages von Wilhelm Hack im Jahr 1952 schreibt die Zeitung „Die Freiheit“: „In den schwersten Zeiten der Nachkriegszeit hat er als 1. Beigeordneter für die Bevölkerung von Traben-Trarbach uneigennützig gearbeitet. Weder als Betriebsleiter des Licht- und Wasserwerkes noch als Beigeordneter der Stadt hat er die Möglichkeiten wahrgenommen, sich für sein Alter zu sichern. Er lebt heute von einer bescheidenen Invalidenrente.“ 

 

Dem ehemaligen Traben-Trarbacher Reichsbanner-Vorsitzenden Karl Friedrich Horch gelingt über die Kommunalpolitik hinaus – er ist Mitglied der sog. „Gemeinderats-Kommission“ 1945/46 und seit 1946 Stadtverordneter in Traben-Trarbach und Mitglied des Kreistages in Zell – noch ein besonderer Schritt: Vom 4. Juni 1947 bis zum 17. Mai 1951 ist der Sozialdemokrat der erste Traben-Trarbacher im neuen rheinland-pfälzischen Landtag in Mainz! Von einer schweren Krankheit betroffen, zieht er sich seit 1952 aus der Politik zurück und stirbt 1955 in Trarbach. 

 

Dr. Hans Becker, als Gymnasiallehrer zu Anfang der 1920er Jahre in Traben-Trarbach nicht nur bekannt, sondern auch als Sozialdemokrat beliebt, war ja schon gegen Ende dieses Jahrzehnts als Oberschulrat in die preußische Kultusverwaltung gewechselt. Beim Aufbau eines neuen rheinland-pfälzischen Kultusministeriums spielte er nach 1945 eine wichtige Rolle und trat 1954 als Ministerialdirektor und Stellvertreter des Kultusministers in den Ruhestand! 

 
Auch die 1931 gegründete Winzergenossenschaft „Selbsthilfe“ bestand zu dieser Zeit immer noch. Zur Weinlese 1954 verfügte sie über ein Areal von 60.000 Stock, verarbeitete zum Höhepunkt der Lese täglich 250 Zentner Trauben und rechnete mit einem Ertrag von circa 45 Fuder Most. 

 

Die TTZ kommentiert anerkennend: So „ist dies schon eine recht gute Leistung, zumal sie während des Tages mit nur einer Aufsichtsperson und drei bezahlten Arbeitskräften ausgeführt wird, während in den Nachtstunden bei gleicher Arbeitskräftezahl sich die Mitglieder in wechselnder Schicht unentgeltlich für die notwendigen Arbeiten zur Verfügung stellen.“ Der Impuls zur Gründung von Genossenschaften, Gewerkschaften und Sozialdemokratie im 19. Jahrhundert, „die Solidarität“, hatte auch im Kelterhaus der „Selbsthilfe“ Trarbach das Nazi-Regime überlebt. 

 

Horst Steffens 

(Stand: 01.08.2023) 

 

Die 50ziger und 60ziger Jahre der SPD wurden geprägt von zwei Personen. Carl Caspari und Emil Franz. Carl Caspari führte die SPD bis 1966 als Vorsitzender. Er war Mitglied des Kreistages des Kreises Zell.  1963 konnte der Bundesvorsitzende Erich Ollenhauer, der zu einer Veranstaltung zum Landtagswahlkampf in Traben-Trarbach war, begrüßt werden. 

Emil Franz führte die SPD als Fraktionssprecher im Stadtrat. Dieses Amt hatte er viele Jahre inne.     1973 feierte die SPD ihren 55. Geburtstag. Dies wurde würdig auf Schloss Sonora mit Hauptredner Wilhelm Dröscher gefeiert. Die Mitgliederzahl in der SPD betrug damals 155. Drei Jähre später besuchte Bundestagspräsidentin Annemarie Renger die AWO in Traben-Trarbach. 

Am 15.2. 1975 weihte der Vorsitzende Klaus Weinmann, der über 20 Jahre die Geschicke des Ortsvereins der SPD leitete, mit vielen Mitgliedern die Geschäftsstelle in der Moselstraße ein. Später zog die Geschäftsstelle in die Brunnenstraße um. 

 

In diesen Jahren gab es in der SPD Traben-Trarbach eine Gruppe der Jusos, die Afa (Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen) und eine ASF (Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen). 

Ende der siebziger Jahre pflegte der Ortsverein eine Patenschaft mit der SPD in Waghäusel. 

Am 14.10.1978 wurde die 60 Jahrfeier zünftig im Casino gefeiert. Im März 1979 wurde unser Vorsitzender Klaus Weinmann in den Landtag gewählt, dem er zehn Jahre angehörte. Am 24.08.1989 wurde er zum ehrenamtlichen Stadtbürgermeister gewählt. 

Im Bundestagswahlkampf 1980 besuchte der damalige SPD-Landesvorsitzende und Staatsminister Klaus von Dohnanyi die Stadt und unsere SPD. Bundestagskandidat war damals Ralph Herberholz. 

 

Am 24.11.1988 feierte die SPD ihren 70. Geburtstag im Casino. Festredner war Rudolf Scharping, der knapp drei Jahre später Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz wurde. 

In diesen Jahren entstand unsere Zeitschrift “Stadtgespräch“, die nicht nur zu Wahlkämpfen erschien, sondern als politisches Sprachrohr unser SPD war. Besonders Udo Mittelmann sorgte für viele Veröffentlichungen dieser Zeitung, die an alle Haushalte der Stadt verteilt wurde. 

Am 20. November 1993 wurde der 75. Geburtstag ebenfalls im Casino gefeiert. Hauptrednerin war Bundestagsabgeordnete Dr. Elke Leonhard. 

In der Legislaturperiode 1999 bis 2004 war Renate Braband 2. Beigeordnete der Stadt. 

Die 90 Jahrfeier fand wieder im Casino statt. Hauptredner war Landtagsabgeodneter Dieter Burgard. 

Ein neues Kapitel der SPD wurde im Jahre 2014 aufgeschlagen, als wir mit neun Mitgliedern die stärkste Fraktion im Stadtrat bildeten. 

Patrice Langer SPD wurde Stadtbürgermeister, Hajo Weinmann 1. Beigeordneter, Frank Mittelmann 3. Beigeordneter. Ihm folgte Renate Braband. 

Aktuell ist Patrice Langer weiter unser Bürgermeister und Hajo Weinmann 2. Beigeordneter, Fraktionssprecher ist Gerd Huesgen. 

(Informationen aus dem Buch von Klaus Weinmann

 

Vorne von links: Gerd Huesgen, Hajo Weinmann, Carsten Augustin
dahinter: Sven Weinmann, Bea Kimnach, Pat Langer (Bürgermeister)

Geschäftsführender Vorstand